Veranstaltung

10. Denzlinger Wildtierforum

28. März 2025

Wissen schafft Verständnis

Nicht nur wissenschaftlich gesehen ist Wissen essentiell für die Meinungsbildung. Beim 10. Denzlinger Wildtierforum war diese Erkenntnis themenübgreifend im Fokus. Organisiert und durchgeführt wurde die Veranstaltung von der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt BW (FVA) und dem Landesjagdverband (LJV). Der Einladung der beiden Institutionen waren knapp 200 Personen aus Wissenschaft, Jagd, Naturschutz und Praxis gefolgt.

Am ersten Tag, den 27. März 2025 fand im Rahmen des Denzlinger Wildtierforums die Exkursion "Wandel gemeinsam gestalten – Wie nehmen wir die Öffentlichkeit mit?" statt. Die TeilnehmerInnen– darunter JägerInnen, NaturschützerInnen, FörsterInnen und Mitarbeitende der FVA – erlebten einen spannenden und praxisnahen Austausch über Umweltbildung, Naturschutz und Wildtiermanagement.

Erster Stopp: Naturzentrum Rheinauen Rust

Die Exkursion startete am Kultur- & Bürgerhaus in Denzlingen, von wo aus es mit dem Reisebus zum Naturzentrum Rheinauen Rust ging. Dort wurden die Teilnehmenden mit Kaffee und einer Einführung begrüßt. Ein Vertreter des Naturparks stellte anhand interaktiver Stationen vor, wie Kindern die Bedeutung von Wildtieren und deren Lebensräumen vermittelt wird.

Einblicke ins Naturschutzgebiet Taubergießen

An der zweiten Station gab Rangerin Cosima Zeller einen spannenden Einblick in ihre Arbeit im Naturschutzgebiet Taubergießen. Bei einer kurzen Führung präsentierte sie verschiedene Informationstafeln und Sensibilisierungsmaßnahmen für BesucherInnen. Besonders herausfordernd sei das Verständnis für die Auenlandschaft: Bei Hochwasser müssen Wildtiere Schutz außerhalb der überfluteten Gebiete suchen. Doch wenn in solchen Zeiten weiterhin viele Menschen im Schutzgebiet unterwegs sind, flüchten die Tiere zurück in die Auen – mit teils tödlichen Folgen.

Nach diesem eindrucksvollen Einblick kehrte die Gruppe ins Naturschutzzentrum zurück, wo ein gemeinsames Mittagessen auf dem Programm stand: Neben Burgern (vom Wildschwein aber auch vegetarisch) gab es gegrillten Nutria – eine Möglichkeit, kulinarischen Genuss mit der Reduktion invasiver Arten zu verbinden.

Wildtierschutz auf den Feldern von Schwanau-Allmannsweier

Gut gestärkt ging es weiter zu den Feldflächen in Schwanau-Allmannsweier, wo die Gruppe von zwei Traktoren abgeholt wurde. Während der Fahrt durch die Landschaft berichteten Klaus Niehüser (Forstrevierleiter Ortenau-Süd) und Norbert Bühler (Leiter Niederwildhegegemeinschaft Ried) von ihrer Arbeit. Sie setzen sich intensiv für den Schutz des Niederwildes ein – insbesondere für Fasan, Feldhase und Kiebitz. In Kooperation mit LandwirtInnen vor Ort schaffen sie Rückzugsräume für Wildtiere und haben zudem Wasserstellen angelegt, die bereits nach 24 Stunden von 18 Vogelarten genutzt wurden. Die Wirkung dieser Maßnahmen wurde direkt sichtbar: Während der Exkursion konnten die Teilnehmenden Fasane, Kiebitze und sogar ganze Gruppen von Rehen beobachten – ein echtes Highlight!

Fazit: Ein Tag voller wertvoller Erkenntnisse. Die Exkursion bot zahlreiche Möglichkeiten zum fachlichen Austausch zwischen den Teilnehmenden aus verschiedenen Bereichen. Am Abend ging es zurück nach Denzlingen – mit vielen neuen Eindrücken, Anregungen und der gemeinsamen Motivation, den Wandel im Naturschutz weiterhin aktiv mitzugestalten.

Interessante Vorträge standen am zweiten Tag der Tagung, den 28. März 2025, auf dem Programm:

Begrüßt wurden die TeilnehmerInnen von Dr. Janosch Arnold, Leiter des FVA-Wildtierinstituts, und Dr. Jörg Friedmann, Leiter des LJV. Letzterer stellte klar, dass wir grundsätzlich früher Handeln müssten, Fehler repariert werden müssten und dass Transformation möglich sei. Bei den Wildtieren fänden Veränderungsprozesse statt, bei denen gemeinsame Lösungen gefunden werden müssten. Friedmann appelliert: "Mensch, Wald und Wildtiere müssen ganzheitlich betrachtet werden". Wildtiere haben beispielsweise frühere Setzzeiten: Beim Reh seien es ca. 7 Tage früher in 50 Jahren so der Wissenschaftler Dr. Robert Hagen. Generalisten wie das Wildschwein könnten sich besser an den Klimawandel anpassen so Hagen weiter. Entgegen der Reliktarten, so Prof. Dr. Ilse Storch. Vor allem Arten, die subalpine/alpine Bedingungen brauchen, müssten mit einer Arealverkleinerung rechnen. Schon jetzt gäbe es Höhenverschiebungen, sodass die Prognose beispielsweise für die Auerhühner im deutschen Raum nicht sehr gut ist. Dennoch sei es richtig und wichtig, dass man dem Populationsschwund entgegenwirke so Storch weiter.

Staastsekretärin Sabine Kurtz sieht auch invasive Arten wie Waschbär und Nilsgans als Folge des Klimawandels. Die Wildtiere versuchen sich an den Klimawandel anzupassen. Damit einhergehend entstünden Konflikte für die es Lösungen bedürfe. Hierbei, betont Kurtz, müssten alle an einem Strang ziehen.

Prof. Dr. Ulrich Schraml stellte sich die Frage, ob Jagd und Wildtiermanagement bereit sind für die anstehenden Veränderungen. Viele Maßnahmen wurden bereits ergriffen: Der Aktionsplan Auerhuhn und dessen Umsetzung auf der Fläche sei ein Positivbeispiel, wie es funktionieren kann, lobt er den Verein Auerhuhn im Schwarzwald.

Prof. Dr. Rainer Luik sowie Prof. Dr. Marc Hanewinkel werfen einen Blick in die Zukunft. Die Wälder seien übernutzt und durch die zunehmende engergetische Nutzung keine CO2 Senke mehr so Luik. Hanewinkel spricht von einer Verlagerung der Baumartenzusammensetzung: Bei weiter steigendem CO2 Ausstoß wäre ein mögliches Szenario, dass die Fichte in Mitteleuropa verschwindet und sich unprodutkivere, mediterane Arten ausbreiten.

Marktforscher Prof. Dr. Werner Beutelmeyer nimmt die Jägerschaft genau unter die Lupe. Eine seiner essentiellen Aussagen ist, dass die Bevölkerung besser über die Jagd informiert werden müsse, um sich dann wiederum ein eigenes Bild darüber machen zu können. Auch Christina Wirth (FVA) sieht den Schlüssel in der Kommunikation. "Wir müssen neue Kooperationen suchen und miteinander ins Gespräch kommen" erklärt Wirth.

An einem Beispiel aus der Praxis erläutern Sven Jager (MLR) und Philipp Thumser (Jagdgenossenschaft St. Georgen) die Transformation in der Praxis. Durch gezielte Maßnahmen wie die finanzielle Unterstützung bei der Jagdausbildung, anbieten von Jagdmöglichkeiten sowie die Einführung Schwarzwildprämien sei die Jagdbereitschaft erhöht worden.

In seinem Schlussappell zieht René Greiner (LJV) Bilanz: Er sieht Beständigkeit in der Weiterentwicklung. "Wir sitzen alle im selben Boot daher braucht es gemeinsame Lösungsansätze von allen Waldnutzenden."