Exkursion im Thüringer Wald
Vom 17. bis 19. März waren Simon Boos, Benjamin Gut (beide LJV) gemeinsam mit unserem Mitarbeiter Victor Meier im Thüringer Wald unterwegs. Luise Stephani (ThüringenForst) gab einen Einblick in das dortige Auswilderungsprojekt und Prädatorenmanagement.
Herausforderungen und Erfolge des Artenschutzprojekts
Seit den 1970er Jahren erlebt das Auerhuhn in Thüringen – wie in vielen anderen Regionen – einen massiven Bestandsrückgang. Bereits vor der Wende wurden erste Naturschutzgebiete ausgewiesen, seit den 1990er Jahren finden immer wieder Auswilderungen statt. 2012 wurde eine eigene Aufzuchtstation eingerichtet, um die Population gezielt zu stärken. Das Projekt umfasst ein 50.000 Hektar großes Beobachtungsgebiet, mit 7.500 Hektar ausgewiesenem Potenzialgebiet an insgesamt 19 Standorten. Die eigentlichen Auswilderungen erfolgen auf 3.500 Hektar, wo sich auch speziell eingerichtete Auswilderungsvolieren befinden.
Waldbauliche Herausforderungen und naturnahe Aufzucht
Der
Thüringer Wald steht vor großen waldbaulichen Herausforderungen,
insbesondere durch extreme Borkenkäferkalamitäten. Seit 2021 fallen
jährlich über 6 Millionen Festmeter Schadholz an, was auch die
Gestaltung geeigneter Auerhuhn-Habitate beeinflusst.
Ein wichtiger
Bestandteil des Projekts ist die naturnahe Aufzucht nach dem Prinzip
„Born to be free“. In den letzten Jahren wurden neben der eigenen
Aufzucht auch Wildvögel aus schwedischen Beständen ausgewildert.
Entscheidend für den Erfolg ist eine medikamentenfreie Aufzucht, damit
die Jungvögel eine stabile Darmflora entwickeln, bevor sie in die
Freiheit entlassen werden. Studien (u. a. Siano 2008, Wiesner &
Klaus 2018) zeigen, dass hohe Prädationsraten sowohl bei Wildfängen als
auch bei Aufzuchttieren ein Problem darstellen. Durch eine Kombination
aus der „Born to be free“-Methode, schwedischen Wildfängen und
verstärktem Prädatorenmanagement konnte jedoch die Überlebensrate
nachweislich verbessert werden.
Ausblick: Weitere Auswilderungen in Planung
Aktuell läuft die Aufzuchtsphase mit intensiver Betreuung der Volieren und Aufzuchtstation. Gleichzeitig werden weitere Auswilderungen schwedischer Wildvögel vorbereitet, um die Bestände langfristig zu sichern. Wir bedanken uns herzlich bei ThüringenForst für die spannenden Einblicke in dieses bedeutende Artenschutzprojekt und wünschen sowohl dem Team als auch den Auerhühnern eine erfolgreiche Brut- und Aufzuchtsaison!